Einleitung Aufgrund vieler Rückmeldungen aus unterschiedlichsten Umfragen scheint derzeit die Druckveredelung auf Basis von Hybrid Lackeffekten von großem Interesse zu sein. In unserem ersten Tutorial möchte ich mich daher mit diesem Thema beschäftigen. Am Beispiel eines Auftrages für das PRINTplusX-Projekt der PrintCity Alliance werde ich Ihnen den kompletten Workflow eines mit Hybridlack veredelten Druckjobs aufzeigen und Tipps und Anregungen für ähnliche Jobs bieten.
Bitte beachten Sie, dass dieses Tutorial sich über mehrere Seiten erstreckt. Nutzen Sie somit die Seitennavigation am unteren Seitenrand jeder Seite zum Weiterblättern. Vorab erst einmal einige Grundsätzliche Informationen zur Hybridtechnologie und auch eine kurze Differenzierung zum häufig verwechselten Drip-Off Effekt.
Die Hybridtechnologie Entwickelt wurde die Hybridtechnologie aus dem Bedarf heraus, schnelle Wechsel zwischen konventionellen und UV-trocknenden Jobs zu ermöglichen sowie Lackierungen ohne die Notwendigkeit des Primerns mit nur einem Lackwerk produzieren zu können. Hybridfarben und Lacke zeichnen sich dadurch aus, dass diese sowohl oxidativ als auch UV-härtend verarbeitet werden können.
In Kombination mit ölbasierten Farbkasten-Effektlacken sind über das abschließende, meist vollflächige Applizieren eines UV-Glanzlackes herausragende Lackeffekte produzierbar. Diese werden in Struktur- und Matt/Glanz Effekte untergliedert, wobei beide Verfahren hierbei ähnliche Produktionsparameter erfordern, nahezu gleiche Design- und Vorstufenanforderungen aufweisen und in der Tat auch vom Effekt her sehr ähnlich sind.
Einer der größten Vorteile dieser Veredelungstechnologie liegt darin begründet, dass der eigentliche Effekt ohne Lackplatten zu produzieren ist. Somit sind die Vorstufenkosten zur Produktion dieser Effekte erst einmal vernachlässigbar. Durch die Verarbeitung der Farbkastenlacke mit Hilfe konventionaler Druckplatten sind jedoch auch Detailabbildungen im Lack möglich, die sonst nur noch im Siebdruck realisiert werden könnten. Somit freut sich der Designer über die nahezu unbegrenzten Gestaltungsmöglichkeiten und der Auftraggeber über eine im Vergleich zu manch anderer Veredelungstechnologie recht preiswerten Aufwertung seiner Drucksachen.
Grenzen und mögliche Gefahrenpotentiale Jede Veredelungstechnologie hat ihre Grenzen, so natürlich auch die Hybridtechnik. Eine der vermutlich maßgeblichsten Grenzen kann bei beidseitigen Veredelungen auftreten: der sogenannte Glasplatteneffekt. Dieser basiert auf der sehr hohen Oberflächenvergütung, die über UV Lacke erreichbar ist, und der damit einhergehenden starken Adhäsionskräfte in Verbindung mit Elektrostatik und teilweise auch Vakuumbildung zwischen aufeinander liegenden, glanzlackierten Flächen im Stapel. Hierdurch können Kräfte entstehen, die die Bogen im Stapel anschließend nicht mehr trennbar und somit nicht mehr verarbeitbar machen. Da dieser Effekt in der Regel nur bei großen glanzlackierten Flächen auftritt, muss vor Produktionsbeginn, besser noch vor dem Designprozess geprüft werden, wie groß der Anteil an gekonterten Hochglanzbereichen sein wird.
Ein Pudern von UV- und Hybridjobs - sprich Pudern bei eingeschalteten UV Brennern - kann bei diversen Jobs Sinn machen, doch birgt auch dies Gefahren für Mensch und Maschine. Dies kann unter Umständen zur Freisetzung ätzender Gase und sogar zu Verpuffungen (Explosionen) führen. Zwar sind mittlerweile Pudermaterialien auf Steinbasis am Markt erhältlich, die einen solchen Einsatz ermöglichen sollen, doch möchte ich an dieser Stelle einfach mal von dieser Anwendung abraten.
Bei Aufträgen die später noch heißfoliengeprägt werden sollen, müssen die entsprechenden Bereiche auf jeden Fall noch lackfrei, besser sogar lack- und farbfrei gehalten werden, da die Heißfolienkleber in der Regel auf UV getrockneten Oberflächen nicht haften. Genaue Spezifikationen sind hierbei mit dem Weiterverarbeiter abzustimmen.
Generell sind die Weiterverarbeitungsmöglichkeiten bei dieser Veredelungsart durch den hohen Lackauftrag mit großer Härte etwas eingeschränkt. Insbesondere bei Rillungen, Prägungen, Nutungen und Stanzungen kann es zu einem Auf- und Abplatzen der Lackschicht kommen. Auch hier sollte daher im Vorfeld der Weiterverarbeiter kontaktiert werden. Oftmals kann man durch intelligente Planung, z.B. durch Aussparen der Lackformen im Gefahrenbereich (wofür dann auch mal eine Lackplatte benötigt wird), unschöne Endergebnisse vermeiden.
Weitere Grenzen sind im Bereich der Lebensmittelverpackung gegeben und müssen dort unbedingt berücksichtigt werden. Auch bei migrationsarmen Farben und Lacken sollte hier auf jeden Fall eine Unbedenklichkeitserklärung vom Farben- und Lackhersteller eingeholt werden.
Hybrid im Vergleich zu Drip-Off Um es kurz zu machen: das, was der Hybrid Lackeffekt im UV-Druck ist, ist der Drip-Off Effekt im konventionellen Druck. Beim Drip-Off Effekt wird hierbei auf konventionelle Druckfarben ebenfalls über ein Farbwerk partiell ein Effektlack aufgetragen und anschließend mit einem ebenfalls wasserbasierten, glänzenden Schlusslack meist vollflächig versiegelt. Stellen, an denen der matte Effektlack liegt, verdrängen hierbei den wasserbasierten Schlusslack. Hierdurch entsteht dann ebenfalls ein Matt/Glanz Effekt. Dieser ist jedoch qualitativ nicht mit den Effekten zu vergleichen, die im Hybridverfahren machbar sind. Zudem sind die fertigen Endprodukte Technologie bedingt auch anfälliger für Beschädigungen (z.B. Scratching) und Vergilbung.
Doch auch der Drip-Off Effekt birgt einige Vorteile gegenüber der Hybridtechnologie. So sind Drip-Off Effekte auch mit konventionellen Drucksystemen ohne UV-Ausstattung realisierbar und weisen durch das Fehlen von für UV-Farben und -Lacke typischen chemischen Stoffe in der Regel weniger Gift- und Schadstoffe auf, was insbesondere in der Lebensmittelverpackung entscheidend sein kann.
Im nachfolgenden Beispiel wählten wir bewusst die Hybridtechnologie aus um die erwünschten Effekte zu realisieren.