Offener Brief von Alexander Dort an Rainer Hundsdörfer, CEO Heidelberger Druckmaschinen AG

Sehr geehrter Herr Hundsdörfer,

 

Ihr offener Brief an Bundeswirtschaftsminister Altmaier ist angekommen in der Druckindustrie und schlägt derzeit nicht unbedeutende Wellen. Hierfür schon mal mein Kompliment, es ist erfahrungsgemäß nicht leicht, in unserem Industriesektor eine allgemeine Aufmerksamkeit zu erzeugen und Befindlichkeiten zu wecken. Für gewöhnlich gelingt dies nur durch unerwartete Fusionsanbahnungen oder Insolvenzen der bekannten Urgesteine der Polygrafie, wie wir dies bei manroland im Jahr 2011 oder der avisierten Übernahme von HP durch Xerox vor wenigen Wochen erleben mussten.

All dies tritt in der weltweiten Berichterstattung derzeit durch die grassierende SARS-CoV-2-Pandemie, mit all den Ängsten, all dem Leid und all den Hoffnungen der Bevölkerung, doch noch mit einem blauen Auge davonkommen zu können, selbstverständlich in den Hintergrund. Nicht, dass diese Themen unter normalen Bedingungen es nicht wert wären, beachtet, beobachtet und analysiert zu werden, immerhin hängen auch daran ja bekanntlich tausende Existenzen. Nein, in Zeiten, in denen jeder halbwegs betroffene Erdenbürger in Angst um sein Leben und das Überleben seiner Angehörigen, Freunde und Mitbürger leben muss, ist einfach kein Platz für Wirtschaft und Kommerz.

 

Selbstverständlich haben Sie recht mit Ihrem Wunsch, auch einen Blick auf ein Leben nach der Pandemie zu werfen, und selbstverständlich macht es auch Sinn, sich Gedanken darüber zu machen, wie jeder einzelne im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Beitrag dazu leisten kann, dass die wirtschaftlichen Kollateralschäden der weltweit größten Krise, die wir seit 75 Jahren erleben, reduziert werden können. Jede Hilfe ist hier willkommen und dringend erforderlich. Denn nur gemeinsam werden wir alle diese Herausforderung meistern können.

Ich gehe mal davon aus, dass auch Sie somit das Bedürfnis empfanden, etwas tun zu müssen, etwas Positives beitragen zu wollen, für Ihre Mitmenschen da zu sein. Gerade aus Ihrer Position als CEO des aktuellen Weltmarktführers für Druckmaschinen mit Sitz in Deutschland heraus, ist dies ja auch ein löblicher Charakterzug.

 

Doch was machen Sie aus diesem Helferimpuls? Ihre Idee zu helfen, die Sie sich mit Sicherheit genauestens und in Absprache mit Ihren Beratern überlegt haben, lässt Sie einen offenen Brief an den Bundeswirtschaftsminister verfassen und – bitte entschuldigen Sie meine ehrliche Formulierung – um schnelles Geld und bevorzugte Behandlung für Ihre Kunden betteln.

Als ich eingangs erwähnte, dass Ihr Brief in der Branche angekommen ist und aktuell Wellen schlägt, war das eine ehrliche Feststellung. Allerdings kommt dieser Brief anders an und schlägt bedrohlichere Wellen, als Sie sich dies sicherlich erhofft haben. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, aber ein solcher Brief, verfasst von einem unabhängigen Verband oder Verein unserer Branche, hätte sicherlich sogar noch halbwegs funktionieren und eine ehrliche Angst um die Druckindustrie transportieren können. Doch wenn ein solcher Brief vom CEO der seit geraumer Zeit torkelnden HEIDELBERGER Druckmaschinen AG kommt, dann kann man nur eine einzige Angst herauslesen: Ihre unternehmerische Angst, dass Ihre Kunden ohne eine solch "schnelle finanzielle Hilfe" durch die Bürger der Bundesrepublik Deutschland, die Raten und Rechnungen Ihres Unternehmens nicht mehr zahlen können und die HEIDELBERGER Druckmaschinen AG dadurch in eine bedrohliche wirtschaftliche Schieflage geraten könnte.

 

Sehr geehrter Herr Hundsdörfer, genau das wird vermutlich passieren. Vielleicht sogar noch Schlimmeres. Und dies passiert aktuell nicht nur Ihrem Konzern, sondern nahezu allen Unternehmen weltweit. Große Unternehmen wie mittelständische und kleine, Konzerne genauso wie Selbständige bangen aktuell um das wirtschaftliche Überleben. Das ist tragisch, das wird uns allen enorm viel Energie und Geduld abfordern und ja, es werden nicht alle Unternehmen schaffen, dies zu überstehen. Abertausende Existenzen sind derzeit bedroht in nahezu allen Branchen. Sind Sie wirklich der festen Überzeugung, dass ausgerechnet die Druckindustrie hier einen besonderen Schutz durch den Bund vor allen anderen verdient?

 

Was ich trotz mehrfachen Durchlesens Ihres Briefes zur Erfassung des tieferen Sinnes noch immer nicht verstehen kann ist, dass Sie alleine schon aus Ihrer Position heraus viel effizientere Möglichkeiten hätten – nein haben, Ihre Kunden durch diese schwere Zeit zu bringen und auch langfristig zu unterstützen. Nehmen Sie sich hier doch einfach ein Beispiel an den abertausenden derzeit sozial agierenden Unternehmern und Vermietern, die freiwillig und oftmals selbstlos mit Verzicht und Stundungen auf ihre Kunden und Mieter zugehen, um Leid und Angst zu lindern und Perspektiven zu eröffnen.

Heißt: Rücken Sie bitte zu allererst mal den Aktienkurs Ihres Unternehmens aus dem Blickfeld und nutzen Sie ab sofort die Fülle an Möglichkeiten, die Sie haben. Setzen Sie Zahlungstermine für Ihre Kunden einfach mal aus, verlängern Sie Zahlungsfristen für dringend erforderliche Bestellungen oder Services, gewähren Sie zinslose Darlehen und stunden auch Sie bitte einfach mal Verbindlichkeiten für eine überschaubare Zeit. Schaffen Sie Ihren Kunden, um die Sie sich in Ihrem offenen Brief zu sorgen scheinen, bitte einfach eine Perspektive und ein wirtschaftliches Klima in der diese Hoffnung finden, in dem diese überleben können. Ich bin mir sicher, Ihre Kunden werden es Ihnen zu danken wissen und auf ewig treu bleiben.

 

Übrigens geht es derzeit nicht allen Unternehmen in der Druckindustrie durch die Pandemie bedingt schlecht. Gerade die systemimmanenten Unternehmen in der Verpackungsindustrie sind derzeit bei meist halber Belegschaft unter Volllast am Produzieren, um die den Hamsterkäufen geschuldete enorme Nachfrage nach Verpackungen zu befriedigen.

 

Ich hoffe sehr, dass die HEIDELBERGER Druckmaschinen AG mit einem unbürokratischen und gerade auch auf die Bedürfnisse ihrer Kunden zugeschnittenen Unterstützungspaket dafür Sorge trägt, dass dieser wichtige Bereich unserer Wirtschaft diese historische Krise überstehen kann.

 

Herzlichen Dank für Ihre Bemühungen und Ihre Unterstützung.
Bleiben Sie gesund!

 

Alexander Dort
für die PrintersLounge

 

PS: Und wenn das alles dann irgendwann überstanden ist und wir hoffentlich alle wieder gesundheitlich wie wirtschaftlich genesen und wohlauf sind, dann BITTE richten Sie Ihren Fokus auf die technische Serviceleistung Ihres Unternehmens und helfen Sie Ihren Kunden dabei, mit den Maschinen, die Sie Ihnen verkauft haben, auch die von Ihren Verkaufsteams versprochenen Margen erwirtschaften zu können. Diese Bitte ist übrigens nicht nur an Sie, sondern seit einigen Jahren leider an alle renommierten deutschen Druckmaschinenhersteller gerichtet.

 



Über Alexander Dort:

Seit mehr als 30 Jahren arbeitet Alexander Dort als freischaffender Designer, Produktioner, Werbe- und Marketingberater, Autor und Programmierer. Sein Hauptfokus liegt hierbei auf kreativem Design und Produktionsmanagement für hochveredelte und wertsteigernde Verpackungsprojekte sowie Sicherheitsdruck und Markenschutz.


Firma: Alexander Dort












Fri, 27 Mar 2020 22:05:00
Am Altzberg 28
66540 Neunkirchen-Hangard
Deutschland

Kontaktperson:

Alexander Dort
Position: Inhaber
Kontakt Telefon: 06897-918521
Kontakt E-Mail: alex[at]alexanderdort.com

Webseite:

www.alexanderdort.com






Ähnliche Beiträge

Short-URL for this page:
https://bit.ly/2wGejUI